Tipps für Familien in der Corona-Zeit

Die Schulen und Kitas sind geschlossen, viele Eltern müssen im Moment mit ihren Kindern zu Hause bleiben, und neben den Sorgen um die Gesundheit erleben viele Familien einen ganz und gar neuen Alltag. Wann hatten wir schon einmal eine Situation, in der wir auf engem Raum ununterbrochen Zeit miteinander verbrachten? Und wann hatten wir dazu noch die Sorgen um den Arbeitsplatz und die Gesundheit?

Was für Einige zunächst als Chance wahrgenommen wird, die gemeinsame Zeit zu genießen, stellt sich selbst für die geduldigsten, liebevollsten Eltern früher oder später als eine stressgeladene Herausforderung dar:

Teenager suchen nach Auswegen, nicht 24/7 bei den Eltern festsitzen zu müssen und die kleineren Kinder “gehen die Wände hoch”…

Wie also können Sie als Eltern für Ihr eigenes und das seelische Gleichgewicht ihrer Kinder sorgen und sie durch diese unerwartete gesellschaftliche und gesundheitliche Situation führen? 

Schaffen Sie Strukturen:

Planen Sie (teilweise auch gemeinsam mit Ihren Kindern) den Tagesablauf. Richten Sie bestimmte Zeiten für Lesen oder Hausaufgaben, Hausarbeit, unabhängige Freizeit, Mahlzeiten, Familienzeit und Schlafenszeit ein. Erstellen Sie einen Stundenplan, ähnlich wie es die Kids von der Schule her kennen und hängen ihn an einen Ort, an dem ihn alle sehen können.

Die genannten Empfehlungen sollten an das Alter und die Individualität Ihres Kindes angepasst werden. Kinder, die mit Impulskontrolle zu kämpfen haben, brauchen mehr Struktur und Regeln als andere Kinder. Jugendliche müssen über soziale Medien mit ihren Freunden in Kontakt stehen können. 

Sorgen Sie dafür, dass Sie die Information über die Corona-Zeit altersgemäß erklären. 

Versichern Sie Ihrer Familie, dass sie sicher ist und versorgt wird. Halten Sie sich bei älteren Kindern ab etwa 10- 12 Jahren an die Fakten und stellen Sie sicher, dass Sie nicht zu viel von Ihren eigenen Ängsten mitteilen. Verarbeiten Sie Ihre eigenen Gefühle eher mit anderen Erwachsenen.

Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst:

Jeder von uns wird ab und an eine Verschnaufpause brauchen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder wissen, dass Sie Zeitblöcke für sich selbst planen und dass sie sich währenddessen eigenständig beschäftigen müssen. Dies gibt Ihnen Zeit für die notwendigen Aufgaben aber auch für Ruhe und Muße und stabilisiert Ihr psychisches Gleichgewicht. 

Wie wäre es mit einem virtuellen Museumsbesuch

Freizeit: 

Während wir alle bemüht sind, “social distancing” umzusetzen, ist es aber immer noch erlaubt, nach draußen zu gehen. Die Zeit an der frischen Luft unterstützt parallel zu anderen positiven Effekten auch unser Immunsystem. Während Kinder in den heimischen vier Wänden verständlicherweise irgendwann beginnen zu quengeln, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen, werden sie draußen schnell etwas finden, was sie erkunden können. Hier können die Kids mit Straßenkreide Hüpfekästchen oder eine Rennstrecke für den Bobbycar aufmalen und nutzen.

Wenn im Haus Platz für einen Raum ist, der für ungebremstes Spielen reserviert werden kann, tun Sie es. 

Skypen, Facetime oder Zoom-Sessions für Ihre Kinder und deren Freunde sollten ebenso als moderne Möglichkeit genutzt werden. 

Oder wie wäre es mit den guten alten Brettspielen, gemeinsam ein Puzzle zu legen oder die alten Familienvideos anzuschauen? 

Sich gemeinsam an glückliche Zeiten zu erinnern, sorgt für eine positive Grundstimmung und frischt die familiäre Bindung auf. 

Und wem die Ideen für die 3 – 7-Jährigen einmal ausgehen, findet womöglich auf Quatschonauti ein paar Anregungen.

Vereinzelte Regeländerungen:

Noch vor zwei Wochen war es in vielen Familien Gang und Gäbe, die Computerzeit der Kids zu beschränken. Nun haben wir durch die Umstände zu Hause eher die Wochenendsituation, wenn es um die Nutzung von Tablet oder Smartphone, Netflix oder TV geht. Wir empfehlen, die Zeiten in mehrere Stunden pro Tag einzuteilen, statt für eine sehr lange Zeit das Daddeln und den TV-Konsum zu etablieren. 

Schlafen:

Halten Sie sich an die geplanten Schlafenszeiten. Während es für Ihre älteren Kinder verlockend sein könnte, jede Nacht lange wach zu bleiben und jeden Morgen lange zu schlafen, wird dies ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit nicht zuträglich sein. Zudem erwarten Sie am nächsten Tag oft sehr launische Kinder. Tatsache ist: Die Corona-Zeit ist kein Ferienzustand- der Alltag sollte so gut es geht weiterlaufen.

Netzwerken:

Bleiben Sie mit Freunden und Familienmitgliedern in Kontakt. Versuchen Sie, festgelegte Zeiten für virtuelle Treffen mit Ihren erwachsenen Freunden festzulegen, anstatt den ganzen Tag selbst am Telefon oder in den sozialen Medien zu hängen. Viele der modernen Medien bieten die Möglichkeit für virtuelle Gruppenchats, in denen Sie sich zu festgelegten Zeiten “treffen” können. 

Lassen Sie die Großeltern regelmäßig mit den Kindern telefonieren. Wenn diese in der Nähe wohnen, kann man ihnen vielleicht mal auf dem Balkon oder am Fenster zuwinken und ein paar Worte wechseln. 

Limitierter Nachrichten-Konsum:

Übernehmen Sie die Kontrolle über die Art und Menge der konsumierten News. Das ständige Verfolgen der neuesten Corona-News erhöht nur die Angst der gesamten Familie.

Geben Sie Kindern die Möglichkeit, über Emotionen zu sprechen

Sie können eine feste Zeit für eine Familienrunde etablieren, in der mitgeteilt werden kann, wie sich alle fühlen. Die Maßnahme kann dabei helfen, spontanen Gefühlsausbrüchen vorzubeugen. Warum also nicht die gute alte Abendessen-Runde reaktivieren? Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche ihre Besorgnis, aber auch ihr Verlustempfinden oder ihre Enttäuschung über die ausgefallene Klassenfahrt oder Party äußern können und sich verstanden und angenommen fühlen.

6 Ideen gegen die Langeweile

  • Pflanzen beim Wachsen zusehen: Säen Sie Kresse oder andere schnell wachsende Samen in einem Schälchen mit Watte aus. Das Gärtnern auf dem Küchenfenster oder dem Balkon hilft, Stress abzubauen
  • Gemeinsam Backen: Kinder haben viel Spaß dabei, einen Teig durchzukneten und zu beobachten, wie das Brot oder Gebäck im Ofen Gestalt annimmt. Jeder- ob Groß oder Klein – wird stolz darauf sein, etwas zum Familienessen oder gar einem fantasievollen Picknick im Wohnzimmer beigetragen zu haben. 
  • Indoor-Spielplatz: Bauen Sie in der Wohnung oder im Garten einen kleinen Parkour auf, dessen Hindernisse die Kids durch Springen, Klettern, Balancieren oder Robben bewältigen können.
  • Basteln oder malen Sie gemeinsam z.B. eine tolle Osterdeko mit ausgeblasenen und bemalten Eiern für die Fenster oder den Vorgarten. 
  • Bewegung: Es gibt unzählige YouTube-Videos mit Yoga- oder Tanzanleitungen. Und mit ein paar mehr Familienmitgliedern lässt sich vortrefflich ein Stopp-Tanz organisieren. 
  • Und eine Idee FÜR die Langeweile: Lassen Sie sie ruhig auch einmal zu. Bei Kindern und Jugendlichen regt sie durchaus die Kreativität an, durch die sie erfinderisch werden und ihr Potenzial entfalten können. Planen Sie auch an jedem Tag etwas Zeit zum Nichtstun ein. Womöglich warten ja ganz tolle positive Überraschungen auf Sie…
Tipps für Familien in der Corona-Zeit 1

Wenn Sie weitere Impulse brauchen, um diese Corona-Zeit gut zu überstehen, oder wenn Sie sich dadurch belastet und erschöpft fühlen, dann zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. In uns allen löst die Krise etwas aus. Viele Klienten berichten, dass sich innere Themen melden, die sie im normalen Alltag gut im Griff hatten oder durch Arbeit und Aktivitäten unterdrücken konnten. Innere Unruhe, Gereiztheit oder Schlafstörungen können ein Hinweis darauf sein.

Wenn Sie Unterstützung brauchen, melden Sie sich gerne bei uns. Wir bieten Ihnen im Moment auch Beratung über Telefon, Skype oder FaceTime an.

Bleiben Sie gesund!

Beate Kuhlmann & Sabine Hertwig von projektfamilie/projektberatung

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2020-04-02T13:03:45+02:00